Selbstverteidigung fängt mit Vorausschau und Intuition an.
Ich erzähle hier offen über eine Zeit meines Lebens, die mich geprägt hat: meine Nächte als Türsteher auf der Hamburger Reeperbahn. Mein Weg war nicht geradlinig — und vielleicht hat er mir gerade deshalb wichtige Lektionen gegeben. Heute helfe ich Menschen: beim Stressabbau, bei Gesundheit, in der Selbstverteidigung — und dabei, sich im Training wohlzufühlen. Vieles davon hat seine Wurzeln in meiner Türsteher-Zeit und in den Jahren meiner Jugend und des Kampfsports. Diese Erfahrungen sind fest in jedem Selbstverteidigungstraining verankert.
Ich nahm die Arbeit weniger aus Abenteuerlust, sondern aus Notwendigkeit an. Mit 19 musste ich für Miete und Lebensunterhalt aufkommen und habe in den Folgejahren Schule, Ausbildung und Studium gestemmt. Gute Bezahlung, flexible Schichten und das Nachtleben machten die Türarbeit für mich verlockend. Beim ersten Einsatz wusste ich wenig über die Hintergründe des Clubs. Schnell stellte sich heraus: Hier ging es weniger um Musik und Gäste — hier ging es um Geschäfte, Drogen und Leute, die mit Härte und Einschüchterung arbeiteten.
Es gab Abende, an denen die Gefahr ganz konkret wurde. Die Stimmung konnte innerhalb einer Sekunde kippen – und ohne jede Übertreibung lebensbedrohlich für mich oder meinen Kollegen werden. Wir standen meistens nur zu zweit vor einem Club, direkt an der Großen Freiheit auf der Hamburger Reeperbahn. Wenn einer von uns im Inneren für Ordnung sorgen musste, stand der andere draußen vollkommen allein. Es gab Nächte, in denen genau diese Konstellation den Unterschied zwischen Kontrolle und Chaos ausmachte.
Die schusssichere und stichsichere Weste gehörte nicht umsonst zum Pflichtinventar – ein stiller Hinweis darauf, wie schnell sich die Lage ändern konnte.
Ich selbst wurde mit einem Messer angegriffen, mit Pfefferspray und CS-Gas eingesprüht und blickte mehrmals in die Mündung einer Schusswaffe.

Ich erinnere mich an Typen, die in Limousinen vorfuhren und eine Präsenz ausstrahlten, die Einschüchterung einforderte — eine professionelle Art der Einschüchterung, mit der diese Typen ihr, nennen wir es mal – ihr „täglich Brot“ verdient haben. Solche Nächte waren laut, chaotisch und manchmal auch beängstigend; sie haben sich tief eingeprägt. Zwei oder drei Male habe ich im wahrsten Sinne des Wortes gebetet, unbeschadet aus der Schicht nach Hause zu kommen.
Erst viel später erfuhr ich, dass mein Vorgänger – den Posten, den ich erst kurz danach an der Tür übernahm – in eine schwere Auseinandersetzung geraten war, bei der er einem Angreifer in den Kopf schoss und tödlich verletzte. Ein weiterer Mann wurde schwer verletzt. Es soll sich um eine Gruppe gehandelt haben, die wegen ihres aggressiven Auftretens keinen Zutritt zum Club bekam und daraufhin die Kollegen angriff. Die genauen Umstände kenne ich bis heute nicht.
Diese Erfahrungen haben mir eins klar gemacht: Kampfsport und Technik allein reicht nicht. Mut ist nicht gleich Konfrontation. Mut bedeutet heute für mich, Verantwortung zu übernehmen, Situationen im Vorweg zu erkennen und zu meiden, Ruhe zu bewahren und andere zu schützen — ohne die Eskalation heraufzubeschwören. Aus diesen Nächten entstand mein Verständnis davon, was echte Selbstverteidigung sein muss: Praxis, Vorausschau, Deeskalation und rechtliche Klarheit.
Was ich konkret gelernt habe — und wie ich das heute lehre
Präsenz über Power
In kritischen Momenten wirkt oft die Art, wie du stehst und atmest, lauter als Worte. Eine ruhige, kontrollierte Präsenz kann Angriffe entmutigen. Deshalb beginnt jedes Einzeltraining bei mir mit Kontrolle, Haltung, Atmung und Blickarbeit.
Reden statt zuschlagen
Ich habe gesehen, wie schnell fehlende Kommunikationsfähigkeit und eine kurze Lunte in einen handfesten Angriff führen können. Deshalb ist Deeskalation keine nette Zusatzkompetenz, sondern ein zentraler Bestandteil echter Selbstverteidigung: klare Sätze, Entschlossenheit, Abgrenzung – und die Fähigkeit zu erkennen, wann man sich juristisch absichert und rechtlich korrekt handelt.
Technik ist Praxis, keine Theorie
Das Thaiboxen gab mir harte Skills und den Durchsetzungswillen an die Hand. Doch in der Realität halfen oft Griffe, Hebel und Bodenkontrolle mehr als reine Schläge. Escrima und Brazilian Jiu-Jitsu ergänzen mein Repertoire und werden in meinen Selbstverteidigungskursen praxisnah vermittelt.
Verantwortung übernehmen
Als Türsteher verantwortete ich die Sicherheit vieler Menschen. Das heißt, im Zweifel die Polizei rufen, dokumentieren, Zeugen sichern — und nicht aus Stolz oder Eigensinn handeln. Verantwortung bedeutet auch, rechtliche Konsequenzen zu kennen und danach zu handeln.
In diesem Job sagt man nicht ohne Grund, dass man immer mit einem Bein im Gefängnis steht — jede Entscheidung kann juristische Folgen haben.
Schichten, die leicht waren – und Schichten, die gefährlich wurden
Viele Menschen haben ein Bild im Kopf, das nicht stimmt: Die Tür ist nicht jeden Abend ein Kampfplatz.
Es gab auch Nächte, da hatten wir unglaublichen Spaß. Mit den richtigen Kollegen wurde gelacht, gealbert, und die Stunden vergingen leicht wie Sommerluft.
Aber es gab auch die anderen Nächte – in denen eine Situation im Bruchteil einer Sekunde kippen und in pures Chaos umschlagen konnte.
Nächte, in denen Kollegen nur aushalfen – und genau dann schwankten, wenn man Standfestigkeit gebraucht hätte. Momente, in denen man alle Entscheidungen allein tragen musste. Und Nächte, in denen man mehr auf Kollegen aufpassen musste, als auf die Gäste.
Eine zusätzliche Gefahr, über die kaum jemand spricht: die Geschäftsführung
Ein weiterer Faktor, den viele nie sehen: Die Eigentümer der Clubs.
In meinem Fall gab es drei – und nur einer davon war ganz in Ordnung. Die anderen beiden hatten meiner Ansicht nach ein massives Drogen- und „Frauenproblem“. Hinzu kamen einige fragwürdige Bekanntschaften, denen wir Türjungs immer freien Zugang zum Club ermöglichen mussten. Das machte die Zusammenarbeit nicht leichter und führte immer wieder zu Entscheidungen, die man als Mitarbeiter hinterfragen musste. In manchen Nächten wusste ich nicht, ob die eigentliche Gefahr von draußen kam – oder von drinnen.
Ich erinnere mich an eine Szene mit einem bekannten Pop-Sternchen aus den 90ern: Ihr Freund hatte etwas zu meinem Kollegen gesagt – nichts Dramatisches, eher ein Satz, den man auch einfach ignorieren oder ruhig einordnen konnte.
Doch der Kollege, der nur für diese Schicht eingesprungen war, reagierte völlig überzogen: Ohne Vorwarnung holte er aus und brach dem Mann mit einem einzigen Faustschlag die Nase.
Solche Überreaktionen machten die Arbeit unberechenbar.
Nicht nur die Gäste waren ein Risiko – sondern das ganze System drumherum: Kollegen, die man nicht kannte, Egos, die explodieren konnten, Entscheidungen, die in Sekunden fallen mussten.
Charakter statt Show – und warum sich das bis heute auszahlt
Trotz all dieser Nächte bekam ich immer wieder dieselbe Rückmeldung:
„Du bist einer der nettesten Türsteher, die wir kennen.“
„Humorvoll. Ohne Allüren. Ohne den Drang, sich ständig profilieren zu müssen.“
Für mich war das mehr als ein Kompliment – es war eine Bestätigung dafür, wie ich meinen Job verstanden habe.
Ich musste selten laut werden, um gehört zu werden. Ich habe mich nie verstellt, um größer zu wirken, als ich bin. Stattdessen habe ich meine Empathie und meinen Humor genutzt, um Menschen abzuholen, und meine Besonnenheit, um Situationen zu beruhigen.
Ich habe fast alles mit Worten geklärt – und in den meisten Fällen einen kühlen Kopf bewahrt.
Integer zu bleiben, loyal zu sein und Verantwortung zu übernehmen, war für mich keine Strategie, sondern eine Grundhaltung.
Und genau diese Haltung trägt mich bis heute:
als Trainer, als Coach, als Vater, als Mensch.
Sie hat mir Türen geöffnet, Vertrauen geschaffen und dafür gesorgt, dass Menschen sich an meiner Seite sicher fühlen – im Training genauso wie damals an der Tür.
Was bleibt – und was ich weitergebe
Diese Zeit hat mich nicht verroht.
Sie hat mich bewusster gemacht.
Klarer.
Verantwortungsvoller.
Sie hat mir gezeigt:
- wie wichtig Besonnenheit in brenzligen Momenten ist
- wie fundamental ein Weitblick ist
- wie wertvoll klare Grenzen sind
- wie entscheidend es ist, Verantwortung zu übernehmen
- und dass Selbstverteidigung viel früher beginnt, als die meisten glauben
Heute verbinde ich all das in meinem Training:
körperliche Fertigkeiten, mentale Stabilität, rechtliche Klarheit und Deeskalation.
Damit Menschen nicht nur stärker werden –
sondern freier.
Stärke ist nichts, was man zeigt.
Stärke ist etwas, das man lebt.
Praktische Takeaways & Übungen (sicher, praxistauglich)
Die folgenden Module habe ich aus der Praxis entwickelt — sie sind sicher, legal und alltagsrelevant. Ich nutze sie sowohl im Einzeltraining als auch in Selbstverteidigungskursen.
- Box-Breath (2–3 Min täglich) — Atmungssteuerung zur Beruhigung.
- Ready-Stance & Blickcheck (5 Min) — schnelle Wahrnehmungstrainings für die Straße.
- Verbal-Deeskalation (10–15 Min) — Rollenspiele, die reale Provokationen simulieren.
- Distanzmanagement (10 Min) — Raum schaffen, Abstand gewinnen, Fluchtwege öffnen.
- Bodenkontrolle Basics (15 Min) — Escape-Drills, Übergänge, sichere Ausstiege.
- Escrima-Basics (10 Min) — Schlag- und Abwehrmuster mit Waffen und Waffenlos
- Deeskalations-Kardiocircuit (20 Min) — kombiniertes Stress- und Regenerationstraining.
In meinen Kursen zeige ich außerdem, wie man Situationen erkennt und dokumentiert, wie man Zeugen anspricht und wann sofort polizeiliche Hilfe wichtig ist — praktische Dinge, die oft übersehen werden.
Recht & Verantwortung — unverhandelbar
Warum ich niemandem empfehle, an der Tür zu arbeiten
So viel Ehrlichkeit muss sein:
Aus all den Risiken, Unwägbarkeiten und juristischen Grauzonen würde ich heute niemandem empfehlen, als Türsteher zu arbeiten.
Man steht ständig in einem Spannungsfeld zwischen Verantwortung und Gesetz – und oft reicht ein einziger falscher Moment, um sich strafrechtlich in große Schwierigkeiten zu bringen. Als Türmann hat man keinerlei Sonderrechte. Juristisch bleibt man eine Privatperson.
Im Gegensatz zu staatlichen Sicherheitskräften hat man zumindest offiziell kein Pfefferspray, keinen Schlagstock, keine Dienstwaffe.
Das Einzige, was man legal nutzen darf, ist eine ballistische Weste, die man sich auch noch selbst besorgen muss.
Nach einigen Nächten, die außer Kontrolle geraten sind, habe ich verstanden:
Wer handelt, übernimmt juristische Verantwortung.
Deshalb ist mein Rat eindeutig:
Wenn Gewalt droht oder gar Waffen im Spiel sind, ist die Polizei der richtige Weg.
Aber:
Bis der Notruf abgesetzt ist und Hilfe eintrifft, können entscheidende Minuten vergehen.
In genau diesen Minuten zählen die eigenen Fähigkeiten: klare Kommunikation, Deeskalation, Distanzmanagement, Selbstschutz.
Das lehre ich heute in jedem meiner Selbstverteidigungskurse – nicht um Angst zu machen, sondern um Menschen zu schützen.
Selbstverteidigung bedeutet nicht „kämpfen lernen“.
Es bedeutet, rechtlich, mental und praktisch klar zu bleiben – genau dann, wenn andere ihren Kopf verlieren.
Und dann gibt es noch eine Gefahr, über die kaum jemand spricht: die Freizeit.
Ich wurde wirklich unzählige Male auf der Straße wiedererkannt – nicht im Einsatz, sondern privat.
Manchmal war ich mit einer Begleitung unterwegs, und plötzlich sprach mich eine Gruppe von fünf, acht oder zehn Männern an:
„Ey, du bist doch der Türsteher vom …!“
Zum Glück war das immer freundlich gemeint.
Aber es hätte auch anders laufen können – und dieses Bewusstsein begleitet einen ständig.
Wenn man an der Tür arbeitet, trägt man einen Ruf, der einem überall folgen kann.
Wenn man integer, ruhig, fair und klar bleibt, kann dieser Ruf schützen.
Wenn nicht, kann er das eigene und das Leben der Angehörigen unnötig in Gefahr bringen.
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Abschluss — was bleibt
Meine Türsteherzeit hat mir harte Lektionen erteilt, die mich demütig und wachsam gemacht haben. Ich bin froh, unbeschadet herausgekommen zu sein und die Erfahrung heute konstruktiv an andere weiterzugeben. In meinem Einzeltraining und im Selbstverteidigungskurs in Hamburg kombiniere ich körperliche Fertigkeiten mit mentaler Stärke und rechtlichem Know-how — damit du nicht nur stärker, sondern auch verantwortlicher wirst. Wenn du Interesse an praxisnaher Selbstverteidigung in Hamburg hast, melde dich gern für ein kostenloses Erstgespräch oder buche dein Einzeltraining.
Wenn du Interesse an einem gezielten Angebot hast: Buche dein Einzeltraining oder sichere dir einen Platz im nächsten Selbstverteidigungskurs — Selbstverteidigung Hamburg praxisnah und sicher.
Gemeinsam arbeiten wir an Körper und Kopf — damit Stärke verantwortungsvoll bleibt.